metastadt


Vertraute Fremdkörper: Spaziergang zu den Ursprüngen der Flanerie
22/05/2012, 06:45
Filed under: stadtforschung

Nach dem großen Erfolg der Citizen Art Days im März findet morgen im Rahmen des 12. Bundeskongress Politische Bildung auf dem Alexanderplatz ein Citizen Art Days Spot zu kooperativen Kunststrategien und Beteiligungspotentiale im öffentlichen Raum statt. Neben mehreren Earth Foren und interessanten Workshops bietet Karsten Michael Drohsel einen Spaziergang in zwei öffentlichen Räumen an: dem privatisierten öffentlichen Raum Alexanderplatz und dem öffentlichen Privatraum einer Shopping Mall. Gemeinsam soll herausgefunden werden, wo in beiden Räumen die Gemeinsamkeiten liegen, wie sich die beiden Räume aneinander angleichen, also wie viel öffentlicher Raum ist in einer Shopping Mall, wieviel privater im öffentlichen Raum.

Vertraute Fremdkörper

Shopping Center, das neuzeitliche Pendant zu den historischen Passagen, sind Gebäude, die städtische Funktionen simulieren, verdichten und in Frage stellen. Sie sind primär ausgerichtet auf den Tausch von Geld gegen Dienstleistungen und Waren und darüber hinaus doch viel mehr. Z.B. entzündet sich an der begrenzten Zugänglichkeit für bestimmte Personengruppen und der permanenten Überwachung durch Sicherheitstechnik und –Personal immer wieder die Diskussion über die (Be-)Deutung des öffentlichen Raums und die verschiedenen Zugriffe durch Privatisierungsbestrebungen.

In Berlin, um den Alexanderplatz herum, sind in den letzten Jahren mehrere Shopping Malls, Arkaden und Passagen entstanden. Sie besetzen den Raum sichtlich, grenzen sich deutlich gegenüber den umliegenden Nutzungen ab und schaffen im Inneren eine künstliche Welt, die in der Regel nur von denen betreten wird, die ein entsprechendes Konsum-Anliegen haben.

Hawaiianische Wochen oder freiwillige Selbstkontrolle?

Auf einem Spaziergang im Rahmen der Citizen Art Days wollen wir auf den Spuren der Flanerie nach zum Beispiel Walter Benjamin oder Franz Hessel gemeinsam in diese funktionale Service-Welt eintauchen und ohne direktes Anliegen an das Angebot den „öffentlichen Raum“ der Shopping Mall „Alexa“ erkunden. Zentrale Fragen sollen sein: Welchen Raum finden wir vor? Wie wirkt das Angebot an Raum und Funktion auf uns, wenn wir nichts kaufen oder konsumieren wollen, also nicht teilnehmen an der intendierten Funktion des Gebäudes und seiner Bespielung? Was werden wir entdecken? Wem werden wir begegnen? Wie werden wir uns fühlen?

Am Ende soll ein kurzer Austausch über die persönlichen Erlebnisse und Empfindungen stattfinden.

Buchempfehlungen zur Vorbereitung:
Franz Hessel: Spazieren in Berlin; Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2011; Gebunden, 240 Seiten, 19,90 EUR
Albrecht Selge: Wach; Rowohlt Verlag, Berlin 2011; Gebunden, 252 Seiten, 19,95 EUR
Aldo Legnaro und Almut Birenheide: Stätten der späten Moderne - Reiseführer durch Bahnhöfe, Shopping Malls, 
Disneyland Paris; VS Verlag der Sozialwissenschaften; Wiesbaden 2005; Broschiert, 304 S., 49,95 EUR

Die Citizen Art Days sind ein Projekt von “Parallele Welten” (Stefan Krüskemper, María Linares und Kerstin Polzin) und werden gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. Alle Infos findet ihr auf dieser Webseite, die Programmübersicht ist hier zu finden.

Zeit: 23. Mai 2012, 9.30–15 Uhr
Ort: Alexanderplatz
Teilnahme: kostenlos, Anmeldung unter diesem Link erforderlich
In der Mittagspause gibt es Suppe vom “Schwarzarbeiter”.

Nimm Dir Zeit!
Nimm teil!

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2 Kommentare so far
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hey Karsten, vielen dank für gestern! lg, mari

Kommentar von mari polke

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