metastadt


Ein semiotischer Spaziergang entlang der Potsdamer Straße
16/10/2012, 17:51
Filed under: herumstreifen, stadtforschertraining

Mit einem Spaziergang für Erstsemester des ISR – Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin heißt Metastadt die angehenden Stadtplanerinnen und Stadtplaner willkommen. Was mittlerweile schon eine kleine Tradition geworden ist wird dieses Jahr mit einem ganz besonderen Spaziergang fortgesetzt:

Die Straße, die Dinge und die Zeichen

ein Spaziergang entlang der Potsdamer Straße von und mit Karsten Michael Drohsel und Eva Reblin

Zeichen-Universum Potsdamer Straße, Foto: Eva Reblin

Was ist eine Straße? Sicher wird jetzt jede/r eine konkrete Straße vor Augen haben: die Straße der Kindheit, die Straße, in der die aktuelle Wohnung ist, die Straße, deren Adresse man auf Nachfragen als Wohnort angibt, die Straße der Eltern, der oder des Geliebten, poetische Straßen, imaginäre Straßen, die Straße der Lieblingskneipe oder eine Straße, wie sie in Kinderbüchern vorkommt. Diese Straßen bestehen aus Fahrbahnen und Gehwegen, vielleicht einer Bebauung am Rand, sie haben einen Anfang und/oder ein Ende, sie führen irgendwo hin, es gibt Abzweigungen, Wege, Randnutzungen und vieles mehr. Straßen sind linear geformte Räume in der Stadt, Verkehrswege, Ansammlungen von Dingen …

Straßen, und das wird klar, sobald wir uns der Erinnerung hingeben, bestehen über ihre Funktion als „Bewegungsadern und Strukturelemente der Stadt“ hinaus noch aus wesentlich mehr. Aus teilweise sichtbaren, teilweise unsichtbaren Dingen oder Eigenschaften, aus Materiellem und Immateriellem wie Erinnerungen, Geschichte und Geschichten und aus Referenzsystemen, von denen Zeichen eines wären.

Willkommen also in der komplexen Welt eines Ortes, der oberflächlich als Straße zusammengefasst und definiert wird. Willkommen in der konkreten Straße, der Potsdamer Straße in Berlin, die Eva Reblin in ihrer Dissertation „Die Straße, die Dinge und die Zeichen“ auf  ihren zeichenhaften, ihren „semiotischen“ Gehalt hin untersucht hat.

In unserem Spaziergang in der Potsdamer Straße wollen wir vor allem die Dinge und die Zeichen der Straße betrachten und erkunden, was sie uns über diese Straße, das Viertel, die Stadt mitteilen, was wir in ihnen lesen können. Dabei interessieren wir uns für (fast) alles, für banale (?) Verkehrs- und Straßenschilder, für Gebäude, Läden und Menschen, für Street Art und Mauerrisse, für Geräusche, Gerüche und Farben.

Dass jenes Straßenschild den Namen der Straße anzeigt, sehen und wissen wir. Wir wollen uns aber fragen, in welcher Weise es dies tut. Und ist dieses Haus eben nur ein Haus, in dem man wohnt oder arbeitet? Oder finden wir in ihm nicht eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Bedeutungs(ge)schichten? Wann werden die Straßendinge zu Zeichen? Können wir unterschiedliche Arten dieser Ding-Zeichen unterscheiden? Und wenn wir Kenntnis über das Vorhandensein und die Beschaffenheit von Zeichen erlangt haben, wie können wir diese im Sinne unserer Disziplin der Stadtplanung auslesen? Was sagt uns die Qualität und die Quantität von Zeichen, z. B. der Street Art oder der Dichte eines bestimmen Schrifttyps über die Frequenz und Nutzung des Stadtteils oder Kiezes? Kann eine bestimmte Nutzung oder Nicht-Nutzung ebenfalls ein Zeichen sein? Einige Grundbegriffe der Semiotik, der Wissenschaft von den Zeichen, sollen uns hier helfen, nach Antworten zu suchen.

Wir werden uns, ausgehend vom U-Bahnhof „Kurfürstenstraße“, in einigen Abschnitten auf der Potsdamer Straße bewegen, die ein Abschnitt der Bundesstraße 1, einer der wichtigsten Radialen Berlins ist. Sie führt vom U-Bahnhof Kleistpark in Schöneberg bis zum Potsdamer Platz und auf Grund der Lage und Länge durch viele urbane Sphären. Im Spazierengehen wollen wir nicht nur die Einzeldinge, sondern vielleicht auch „Bedeutungsreihen“ erschließen, dabei aber das Untypische, die Widersprüche nicht übersehen. „Die Hauptsache ist die Anhäufung von Lektüren der Stadt“, ein Satz von Roland Barthes, könnte unser Motto für diesen Zeichenspaziergang sein.

Der Spaziergang richtet sich primär an (Erstsemester)Studierende des ISR, in Ausnahmefällen können aber auch Gäste teilnehmen. Bitte nehmt hierfür Kontakt mit uns auf, wir melden uns dann bei euch und geben euch den Treffpunkt durch. (stadtstadtstadt web de – Leerzeichen1=at; Leerzeichen zwei=Punkt)

Wer sich über Eva Reblins Buch „Die Straße, die Dinge und die Zeichen“ informieren möchte kann das hier oder hier tun.

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